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Keine Angst vor Corona

Wie ambulante Pflegedienste den Herausforderungen der Krise begegnen

Ambulante Pflege in Zeiten der Corona-Krise - Hände in Schutzhandschuhen halten Hand einer älteren Frau
Achtung Ansteckung | © Sandor Kacso - stock.adobe.com

Aufgrund der weiter steigenden Infektionszahlen hat das Marktforschungsinstitut Psyma ein erstes Stimmungsbild unter Pflegekräften erfragt. Laut deren Aussagen fühlt sich die große Mehrheit der Einrichtungen auf COVID-19-Krankheitsfälle vorbereitet. Angst vor dem Corona-Virus empfindet lediglich ein Drittel der 156 Umfrageteilnehmer. Doch wie sieht es bei den vielen privaten Anbietern für ambulante Pflege aus? Wir wollten es genauer wissen, und haben dafür beim Unternehmen VISITA nachgefragt.

Über 96.000 Pflegebedürftige werden laut Landesamt für Statistik in Niedersachen in ambulanter Pflege versorgt, rund 4.500 allein in Osnabrück. Der regional ansässige Pflegedienst VISITA betreut in dieser Stadt ca. 200 der auf ambulante Pflege angewiesenen Patienten und kümmert sich mit seinen Mitarbeitern seit Mitte der Neunzigerjahre täglich um die Grundpflege, die Hauswirtschaft, ärztlich verordnete Leistungen und die allgemeine Betreuung. Nicht auszudenken, was passiert, wenn diese wichtige Versorgung durch eine Zunahme der Ansteckungsfälle wegbricht.

Wir haben mit der Prokuristin und in der Geschäftsführung des Unternehmens tätigen Kathrin Brümmer über die derzeitigen Herausforderungen bei der Pflegearbeit, aber auch über die wachsenden Sorgen und Nöte von ambulanten Pflegeeinrichtungen gesprochen.

Frau Brümmer, wann wurde Ihnen eigentlich klar, welche Brisanz die Corona-Krise auch für Ihr Unternehmen haben wird?

Das wurde mir relativ frühzeitig bewusst, weit vor den ersten Ausgangsperren, weil wir genau die Risikogruppe betreuen. Nicht nur alte Menschen, sondern auch solche, die wirklich vorbelastet sind, beispielsweise durch Atemwegserkrankungen wie chronische Bronchitis und COPD. Solche Krankheiten nehmen ja auch mit dem Alter zu.

Wie hat sich Ihre Arbeit durch die Pandemie verändert?

Bei uns laufen die Telefone heiß. 80 Prozent meiner Arbeit dreht sich derzeit um Corona. Klienten und Angehörige rufen an, die aufgeklärt werden wollen, die sich Sorgen machen, ob wir die Pflege gewährleisten können. Ich muss die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter sicherstellen und mich nebenbei um das Tagesgeschäft kümmern, das ja auch weiterlaufen muss. Durch die Minimierung auf die notwendigsten Kontakte läuft ein Großteil der internen Koordination inzwischen telefonisch.

An der eigentlichen Pflegearbeit, der Arbeit am Patienten, hat sich nicht viel verändert, die bleibt nach Möglichkeit gleich. Wir haben aber erhöhte Hygienemaßnahmen ergriffen und strenge Verhaltensregeln für Pflegekräfte und auch Angehörige festgelegt. Das führt zwar zu einem etwas umfangreicheren Arbeitsablauf, schützt aber sowohl unsere Kunden als auch unser Personal vor Ansteckung und Ausfällen.

Wir hatten natürlich auch vorher schon relativ strenge Hygienepläne, die wir als Pflegedienst umsetzen müssen. Gerade weil wir viel mit Patienten Kontakt haben, wo das Ansteckungsrisiko, sei es Grippe oder was auch immer, sehr groß ist. Durch die Corona-Pandemie haben wir nochmals strengere Maßnahmen eingeführt. Wir achten verstärkt darauf, dass jeder Mitarbeiter immer ausreichend Desinfektionsmittel bei sich führt und auch nutzt oder die Niesetikette eingehalten wird. Es muss jetzt Mundschutz getragen und ausreichend Abstand zu Angehörigen und Kollegen gehalten werden, indem zum Beispiel unterschiedliche Startzeiten der Touren eingeführt wurden.

Wie beziehen Sie denn Patienten und Angehörigen in die Schutzmaßnahmen mit ein?

Viele Maßnahmen betreffen natürlich die Gegebenheiten vor Ort. Deshalb haben wir ein Kundenanschreiben rausgeschickt mit unseren Wünschen zu Vorsichtsmaßnahmen im häuslichen Umfeld. Dazu zählt zum Beispiel, dass die Angehörigen bei der Pflege nach Möglichkeit nicht dabei sind, um die Kontakte unserer Mitarbeiter zu minimieren. Oder dass die Pflegekräfte die Möglichkeit erhalten, sich in der Wohnung die Hände zu waschen.

Wie reagieren Ihre Klienten auf diese Situation und die strengeren Vorschriften?

Da ziehen eigentlich alle mit. Gerade unsere Risikopatienten meiden jeglichen unnötigen Kontakt und versuchen alles, um sich nicht anzustecken. Um das Ansteckungsrisiko noch weiter zu minimieren, sagen natürlich auch Klienten ab. Die größte Angst, gerade der Angehörigen von vorbelasteten Kunden, ist die Ansteckung. Und da unsere Mitarbeiter trotz aller Vorsichtsmaßnahmen auch andere Patienten pflegen müssen, sagen einige unsere Einsätze ab.

Das betrifft aber in erster Linie die Hauswirtschaft, nur sehr selten die Pflege, und da vor allem die vorbelasteten Fälle mit Atemwegserkrankungen. Die Alleinstehenden, die haben gar nicht so sehr Angst vor einer Ansteckung, die haben nur Angst, dass wir nicht mehr kommen und davor, was sie dann tun sollen.

Auch das Personal ist ja hochgradig gefährdet. Wie gehen Ihre Mitarbeiter mit der Unsicherheit um?

Das hängt natürlich von der Situation ab. Wir haben ja auch Mitarbeiter, die mit Personen der Risikogruppe in einem Haushalt zusammenleben. Die haben jetzt natürlich weit größere Sorgen als andere. Im Großen und Ganzen bin ich aber richtig stolz auf mein Team, dass sie trotz der Angst jeden Tag zur Arbeit kommen. Sie zeigen wirklich unglaublich großes Verantwortungsbewusstsein und Engagement.

Mehr noch als in geregelten Zeiten zeigt sich gerade jetzt, wie sehr wir uns da verlassen können, dass unsere Mitarbeiter füreinander alles tun und, wo es notwendig ist, wirklich einspringen. Viel liegt natürlich auch daran, dass alle von uns auferlegten Maßnahmen gut umgesetzt werden und sie sich sicher sein können, dass wir tatsächlich alles tun, was in unserer Macht steht, um sie in ihrer Arbeit zu unterstützen.

Befürchten Sie wirtschaftliche Einbußen?

Ja natürlich. Wir sind ein privates Unternehmen, das sehen muss, dass es irgendwie überleben kann. Durch die Rückgänge bei den Einsätzen haben wir einerseits etwas mehr Luft bei Touren, was die Mitarbeiter entlastet. Andererseits müssen wir die Umsatzeinbußen im Blick behalten, weshalb wir derzeit unsere Ausgaben minimieren, wo es nur geht. Ausnahmen sind Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel, wo die Kosten allerdings gerade durch die Decke schießen.

Alles, was wir unseren Mitarbeitern an Schutzausrüstung stellen, müssen wir selbst besorgen – momentan zu horrenden Preisen –, wenn man überhaupt noch etwas bekommt. Ich glaube vielen Pflegediensten geht es dahingehend aber noch schlechter als uns, weil wir, Gott sei dank, einen relativ hohen Lagerbestand hatten. Und dadurch, dass wir auch noch einen Rettungsdienst als Schwesterunternehmen haben, können wir uns zur Not auch noch gegenseitig aushelfen.

Wie sieht die Unterstützung vonseiten der Behörden aus?

Als ambulanter Pflegedienst müssen wir selbst sehen, wo wir die nachgefragten Mengen plötzlich herbekommen. Von den Behörden kommt da nichts. Ich habe der Stadt bereits letzte Woche angegeben, was wir brauchen – wir haben dazu bis heute kein Feedback bekommen. Wir bekommen da nicht viel Unterstützung. Bis gestern war behördlich noch nicht einmal geklärt, wie man angemessen reagiert, wenn unter unseren Mitarbeitern ein Corona-Fall wäre. Derartige Anweisungen gab es bislang wirklich nur für Krankenhäuser, Arztpraxen oder Heime.

Man bekommt dieser Tage auch kaum jemanden ans Telefon, wenn man mal eine kritische Frage hat. Wobei das städtische Gesundheitsamt da eine echte Ausnahme ist. Wir kriegen auch gute Infos über den Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (BPA), dem wir angehören. Der hat uns wichtige Arbeitshilfen für Notfallpläne und Pandemiepläne gestellt. Zwar hatten wir durch unser Qualitätsmanagement bereits einen Pandemieplan, aber der ist natürlich nicht so ausgereift, wie er im Ernstfall dann tatsächlich sein sollte.

Tauschen Sie sich mit anderen ambulanten Pflegediensten aus?

Es gab vor ein, zwei Wochen ein Arbeitstreffen verschiedener regionaler Anbieter, an dem wir jedoch aufgrund des fortschreitenden Risikos einer Ansteckung dann doch nicht teilnehmen wollten. In dieser außergewöhnlichen Situation wenden wir uns mit unseren Fragen lieber direkt an den Berufsverband oder das Gesundheitsamt.

Wie sieht denn das Verfahren bei einem Ansteckungsfall aus?

So wie wir das in unserem Pandemieplan erarbeitet haben, würden bereits im Falle eines Corona-Verdachts auf Kundenseite alle Mitarbeiter mit Erstkontakt freigestellt. Der Dienstplan müsste komplett umgestrickt werden und wir dürften dementsprechend auch den Kunden nicht mehr anfahren. Bis sich herausstellt, ob das Testergebnis positiv oder negativ ausfällt. Natürlich müsste ich meine Mitarbeiter ebenfalls testen lassen.

Laut der neuesten Verordnung für Pflegedienste dürften sie unter bestimmten Voraussetzungen und unter Einhaltung der zentralen Schutzmaßnahmen bis zum Bekanntwerden eines Ergebnisses sogar weiterarbeiten. Es stellt sich allerdings die Frage, ob man das wirklich macht, wenn man nicht weiß, ob sie positiv oder negativ sind. Wir würden es jedenfalls nicht tun.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie derzeit in die Zukunft? Worauf bereiten Sie sich vor?

Ich gehe nicht davon aus, dass das Thema in den nächsten Wochen durchstanden ist. Egal wie sich diese Krise entwickelt, wir werden von den Auswirkungen auf jeden Fall bis Ende dieses Jahres betroffen sein. Hoffen wir das Beste.

Frau Brümmer, vielen Dank für das Interview.

31.03.2020

Schlagworte

  • coronavirus
  • häusliche pflege
  • pflegedienst
  • pflegeleistungen

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