Fehlhaltungen durch Gehhilfen vermeiden
Welche Gehhilfen gibt es und für welchen Gebrauch?
Es muss nicht gleich ein Rollator sein. Angefangen bei sportlichen Wander- oder Nordic-Walking-Stöcken bis hin zu flexiblen Stützen oder Krücken gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Gehilfen, die Ihnen im Alltag zu mehr Mobilität verhelfen.
Gehhilfen sollen Ihre Beweglichkeit erhalten, wenn Sie sich beispielsweise nach einem Unfall nicht mehr ohne zusätzliche Unterstützung fortbewegen können, oder Ihnen bei beeinträchtigter Stabilität mehr Sicherheit geben, bevor es zu schweren Stürzen kommt.
Anders als es das Stadtbild vermuten lässt, ist nicht immer gleich ein Rollator zu empfehlen, weil er auch er zu Fehlhaltungen führen und das Gangbild wesentlich verändern kann. Wir möchten Ihnen die gebräuchlichsten Hilfsmittel und Anwendungsbereiche vorstellen.
Stock
Früher mit verziertem Knauf selbst unter jungen Leuten ein modisches Accessoire, sieht man den Gehstock im Alltag immer seltener. Dabei wird er besonders im Bergsport zur Entlastung von Knochen und Gelenken genutzt. Gerade auf unwegsamem Gelände spielt er seine Vorteile perfekt aus. Sei es auf Kopfsteinpflaster, verwurzelten Pfaden, im Park oder dem heimischen Garten – ein Stock ist bei Unebenheiten und nur leichter Gehbehinderung ideal.
Der Fachhandel stellt verschiedenste Modelle zur Wahl: aus edlem Holz oder ultraleichtem Carbon, mit integriertem Regenschirm oder mit praktischer Falt- beziehungsweise Teleskopfunktion. Achten Sie neben der richtigen Höhe auch auf eine Ihren Anforderungen entsprechende Spitze. Es gibt spezielle Stahlspitzen für weichen Untergrund, Gummikapseln für befestigte Wege oder daheim, spezielle Eiskrallen und stabile Drei- oder Vierpunkt-Gehstöcke, die auch unter hoher Belastung wie bei Drehungen kippsicher sind.
Schon Naturheilkundler Sebastian Kneipp wusste: „Untätigkeit schwächt, Übung stärkt, Überlastung schadet.“ Je weniger Unterstützung Sie im Alltag benötigen, desto länger bleiben Sie fit. Sie sollten jedoch jede Form der Überanstrengung vermeiden. Bei großer Beanspruchung kommt es auch mit Stock zu Fehlhaltungen, die Folgeerkrankungen nach sich ziehen können.
Vorteile von Gehstöcken
- handlich & preiswert
- für unwegsames Gelände und Treppen geeignet
Nachteile von Gehstöcken
- nur für sehr leichte Gehbehinderungen empfohlen
- keine hohe Standfestigkeit
Krücke
Sollte eines der Beine oder sollten beide möglichst wenig belastet werden, sind Krücken einem Stock vorzuziehen. Durch die Verlängerung bis zum Unterarm oder bis hinauf zur Achsel kann die Stütze weit mehr belastet werden ohne Gefahr des Kippens. Während die Unterarmgehstütze einiges an Krafteinsatz und Koordination voraussetzt, sind Achselstützen auch auf längeren Wegen oder bei geschwächter Muskulatur, also vor allem für ältere Menschen praktikabel.
Allerdings ist der Kraftaufwand im Vergleich zu anderen Hilfsmitteln relativ hoch, da die komplette Muskelkraft der Beine durch den Oberkörper kompensiert werden muss. Auch verändert sich das Gangbild durch eine komplett andere Form der Fortbewegung sehr stark. Es bedarf einiger Übung, um sich schnell und vor allem sicher im Alltag zu bewegen.
Vorteile von Unterarmgehhilfen und Achselstützen
- guter Halt und geringe Belastung der Beine
- auch für holprige Wege und Treppen geeignet
Nachteile von Unterarmgehhilfen und Achselstützen
- vollständig neues Gangbild
- starke Beanspruchung der Muskulatur
Gehgestell
Gehgestelle sind quasi die Vorläufer der Rollatoren und als Gehbock seit Ende des Zweiten Weltkriegs aufgrund der hohen Zahl Versehrter bekannt. Die stabilen Alurahmen mit maximal zwei Rädern bieten eine hohe Standfestigkeit, die keine andere der hier vorgestellten Gehhilfen bietet. Da das Gestänge mit jedem Schritt angehoben werden muss, ist das Gehgestell nur auf sehr ebenen Böden, vor allem im Innenbereich, und für kurze Strecken geeignet.
Aufgrund der sperrigen Form und des relativ hohen Kraftaufwands, den ein Gehgestell bei der Fortbewegung erfordert, finden sich diese Hilfemittel eigentlich nur noch in Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Altersheimen. Die Nachteile gegenüber dem mit Handbremse ähnlich standfesten Rollator überwiegen.
Vorteile von Gehgestellen
- maximale Belastbarkeit
- sehr hohe Standfestigkeit
Nachteile von Gehgestellen
- nur auf sehr ebenen Böden und für kurze Strecken geeignet
- relativ sprerrig
Rollator
Sie sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und seit ihrer Erfindung vor über vierzig Jahren durch die aufgrund einer Kinderlähmung selbst gehbehinderte Schwedin Aina Wifalk inzwischen zum Klassiker unter den Gehhilfen avanciert. Zu Recht, denn die rollbare Stütze sorgt sowohl draußen als auch drinnen für mehr Mobilität und unterstützt unsichere Fußgänger beim Aufstehen, Hinsetzen, beim Einkauf und auf längeren Spaziergängen.
Mit der integrierten Handbremse besitzt der sogenannte Gewagen eine ähnliche Standfestigkeit wie ein Gehgestell, bietet Möglichkeiten zur Anbringung von Taschen und oft auch einen eingebauten Sitz, um immer mal wieder zu pausieren. Je nach Modell sind Rollatoren leichter oder schwerer konstruiert, mit großen Rädern für unbefestigte Wege oder kleineren für die Stadt. Einige sind besonders einfach faltbar und lassen sich so auch schnell mal im Auto transportieren.
Eine Spielart der Rollators ist das Deltarad mit nur drei Rädern. Das spart Platz, ist allerdings nicht so kippsicher wie die vierrädrigen Modelle.
Vorteile von Gehwagen
- flexible Lösung für leichte Gehbehinderungen
- hohe Standfestigkeit und Belastbarkeit
Nachteile von Gehwagen
- relativ teuer in der Anschaffung
Fazit
Welche Gehhilfe für Sie persönlich geeignet ist, richtet sich nicht nur nach dem Einsatzgebiet im Alltag, sondern vor allem nach der Art der Gehbehinderung. Während Unterarmgehhilfen und Achselstützen bei konkreten Verletzungen wie Brüchen, Zerrungen oder Bänderrissen die Beine maximal entlasten, allerdings auch ausreichend Kraft im Oberkörper voraussetzen, sind Gehwagen besonders bei rheumatischen Krankheiten oder Problemen mit dem Gleichgewichtssinn und bei insgesamt schwacher Konstitution zu empfehlen.